Dämmstoffe:

Dämmstoffe aus Rohrkolben und Schilf sind sehr innovative Baustoffe und weisen vielfältige positive Eigenschaften auf:

  • Nachwachsender Rohstoff und Rückführbarkeit in den Stoffkreislauf (C2C; cradle to cradle)
  • Dämmplatten: Kombination aus Dämmung und Tragfähigkeit
  • Schimmelpilz- und Fäulnisresistenz
  • Guter Brand-, Schall- und sommerlicher Wärmeschutz
  • Gute akustische Eigenschaften
  • Einfache Verarbeitbarkeit
  • Materialverträglichkeit bei historischen Gebäuden
  • Diffusionsoffen, kapillaraktiv, feuchtigkeitsregulierend
  • Energiearme Produktion, geringer Druck bei Plattenherstellung
  • Relativ unempfindlich gegenüber Produktionsschwankungen

Bisher sind diese Dämmstoffe in Deutschland nicht zugelassen. Einige Gebäude in Deutschland – sowohl Neubauten als auch Altbauten –wurden bereits in Pilotprojekten mit Rohrkolben gedämmt. Die Erfahrungen sind durchweg positiv zu bewerten.

Einblasdämmstoff, Schüttdämmstoff:

Aus der Biomasse von Rohrkolben und Schilf kann Einblasdämmstoff hergestellt werden. Insbesondere Rohrkolben eignen sich hierfür, da die oberirdische Biomasse aufgrund der beson-deren Struktur des Aerenchyms sehr gute Voraussetzungen für die Nutzung als Dämmmaterial bietet. Die spezifische Wärmeleitfähigkeit ist ähnlich anderer biologischer Dämmstoffe, wie z.B. Hanf: 0,04 bis 0,045 W/mK. Auch als Hitzeschutz im Sommer und zur Schalldämmung sind Rohrkolben und Schilf gut geeignet. Ein Hektar Rohrkolben liefert Material für Dachfläche von sechs Einfamilienhäusern.

Das Material für die Einblasdämmung muss auf der einen Seite rieselfähig, auf der anderen Seite setzungssicher sein. Dies wird entweder dadurch erreicht, dass glatte Fasern und aufgefasertes Material vermischt werden oder durch eine einheitliche mäßige Zerfaserung. Verarbeitungsschritte sind:

  • auf Stücke schneiden oder häckseln
  • zerkleinern (z.B. in Hammermühle oder mittels Messerwellenzerspaners)
  • vermischen (z.B. in einem Trommelmischer)

Einblasdämmstoff aus Rohrkolben in einem Gebäude in Mecklenburg-Vorpommern
Einblasdämmstoff aus Rohrkolben in einem Gebäude in Mecklenburg-Vorpommern

Dämmplatte und Bauplatte:

Für die Herstellung von Dämmplatten eignet sich Biomasse aus Rohrkolben und Schilf. Die spezifische Wärmeleitfähigkeit beträgt ungefähr 0,055 W/mK. Die Platten erfüllen die Anforderungen an den Brandschutz und weisen mehrere Vorteile gegenüber anderen Baustoffen auf: Das spezifische Gewicht ist niedriger und die Platten sind leichter zu verarbeiten. Die Wirkung auf das Raumklima ist sehr gut, da das Material eine große Wasserdampfoffenheit hat. Darüber hinaus scheinen die Platten praktisch wasserresistent zu sein. Bei der Herstellung wird deutlich weniger Energie benötigt als bei anderen Dämmstoffen. Die Dämm- und Bauplatten sind normal belastbar und sind für den Innenausbau gut geeignet. Der Baustoff ist nur wenig anfällig für Schimmel aufgrund der hohen Silikatgehalte.

Verarbeitungsschritte der Dämmplatten sind:

  • Sortierung
  • Zerkleinerung
  • Siebung
  • Leimen (z.B. Sprühverfahren in einer Mischtrommel mit Magnesitkleber)
  • Pressung (Heißpressverfahren)
  • Trocknung (wenige Tage an der Luft)

Baustoffe aus Schilf

Bereits seit Jahrhunderten wird Reet zum Dachdecken genutzt. Heute werden in der Regel andere Materialien genutzt, und wenn ein Dach mit Reet gedeckt wird, handelt es sich meist um importiertes Reet, z.B. aus China. Auf der anderen Seite ist bei diesem Produkt bereits der Markt aufgebaut und es gibt viele Erfahrungswerte. Der Anbau von Reet zum Dachdecken könnte in Zukunft eine Option sein.

Die Herstellung von Dämmputz und Brandschutzplatten aus Schilf könnten in Zukunft ebenfalls interessant werden.

Reetbündel zum Dachdecken aus dem Landkreis Rotenburg
Reetbündel zum Dachdecken aus dem Landkreis Rotenburg© 3N Kompetenzzentrum

  1. Wichtmann et al. (2016): Paludikultur - Bewirtschaftung nasser Moore, Klimaschutz - Biodiversität - regionale Wertschöpfung, Schweizerbart
  2. Wichtmann et al. (2016): Paludikultur - Bewirtschaftung nasser Moore, Klimaschutz - Biodiversität - regionale Wertschöpfung, Schweizerbart
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